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Das andere “ewige“ Leben

Meine Philosophie (oder, wenn Sie mögen: meine Ideologie) trifft auf die derzeitige "Produktionsweise" der Menschheit zu (oder dem Teil der Menschheit, dessen Teil ich bin). Sie sind ein Überbau für die Art, wie moderne Menschen westeuropäischen Ursprungs, mit ausreichend Intellekt zur Selbsterkenntnis (Selbstbewusstsein minus Illusionen und überflüssigem Glauben) ihr Leben gestalten (man könnte das "Produktionsweise" nennen, aber es werden nicht nur materielle Güter produziert).

Ich bin mir der Grenzen sehr wohl bewusst, die sich aus der Definition meiner Gedanken als Überbau ergeben. Wenn die "Produktionsweisen" sich in der Zukunft entscheidend geändert haben werden (eine neue Qualität entstehend aus der Ansammlung bestimmter Mengen), wird meine Philosophie, oder Ideologie, angepasst werden müssen.

Eine große Änderung der Produktionsweise kann ich voraussehen, und daher kann ich andeuten, wie meine Ideologie sich wird ändern müssen. Der Wendepunkt wird sein, wenn Menschen das produzieren können, was ich das andere "ewige" Leben nenne.

Menschen sterben heutzutage bei Unfällen oder Kriegen, oder als Opfer von Verbrechen oder Katastrophen. Aber überwiegend sterben sie an Krankheiten.

Wir können es jahrzehntelang vermeiden, im Krieg, durch Unfälle, Verbrechen oder Katastophen zu sterben. Aber Krankheit, was nichts anderes ist als Organversagen, wird, beim heutigen Stand der Technik, jeden von uns früher oder später ereilen. Wenn wir es bis 100 schaffen, haben wir extremes Glück. Kein Mensch hat es je auf 150 Jahre gebracht.

Ich möchte das betonen: wir sterben nicht, weil "die Zeit um ist". Es gibt keinen inneren oder äußeren Zeitmesser, der bestimmt, wie lange wir leben. Jeder Tod, sogenannter "natürlicher" oder durch Krankheit, kann medizinisch auf bestimmte Organe zurückgeführt werden, die ihre Aufgabe im Organismus nicht erfüllt haben.

Fortschritt in der Medizin ist nichts weiter als unsere Fähigkeit, immer mehr körperliche Fehlfunktionen zu kontrollieren und zu verbessern, seien sie hervorgerufen durch Krankheitserreger, Strahlung, Verletzung, Krebs, oder was auch immer.

Medizinische Technologie in diesem Entwicklungsstadium kann jedoch nicht mit der Häufigkeit schritthalten, mit der Organversagen im fortgeschrittenen Alter auftritt, und aus diesem Grund sterben Menschen zum derzeitigen Zeitpunkt der Geschichte im Durchschnitt im Alter zwischen 70 und 80 Jahren, und zwar typischerweise an Organversagen.

Aber die Menschheit holt gegenüber der Natur auf, und dass wir die Fähigkeit erreichen, im Prinzip den Tod durch Organversagen zu vermeiden, ist nur eine Frage des wann, nicht des ob.

Skeptiker bezweifeln das. Aber Skeptiker haben vor 200 Jahren auch daran gezweifelt, dass wir in Lage sein werden, mit Leuten über tausende von Kilometern sprechen zu können, oder von zu Hause aus zusehen können, was in einem Kriegsgebiet in einem anderen Teil der Welt passiert. Aber sowohl Telefone als auch Fernsehen sind heutzutage Technologien, die wir für ziemlich simpel halten.

Könnten wir uns unsichtbar machen? Es ist einfach eine weitere technologische Hürde, und sie wird angegangen.

Tarnkappe könnte Leute unsichtbar machen
http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/kinder/index,page=3510702.html

Organe zu reparieren und Organversagen zu verhindern, so dass viele Menschen in der Regel nicht aus diesem Grund sterben, ist im Prinzip nicht unmöglich, auch wenn wir die Details noch nicht kennen, wie das anzustellen ist. Aber wenn wir das einmal können, wird es, aus der Perspektive des dialektischen Materialismus, die bedeutendste Transformation von Quantität in Qualität sein.

Das quantitative Element ist jeder kleine Fortschritt in der Medizinwissenschaft (wie wir ein Organ verstehen, und Krankheiten heilen, die es befallen). Durch zusammenfügen von immer mehr heilender Technologie zu diesem Mosaik erreichen wir, ab einem bestimmten Level, einen Punkt, wo wir so gut sind im Heilen jeder Krankheit, dass es insgesamt ein realistisches Unterfangen wird, den Tod durch Organversagen vollständig zu verhindern.

Dann wird es soweit sein, wir werden eine völlig neue Qualität erreicht haben, die Möglichkeit des "ewigen Lebens". Natürlich gibt es noch kosmologische Beschränkungen zur Unsterblichkeit: dass unser Sonnensystem eines Tages implodieren wird, und dass das Universum gemäß dem zweiten thermodynamischen Gesetz eines Tages zum Stillstand kommen wird.

Der zweite thermodynamische Hauptsatz
http://www.darwinismus.com/thermodynamik.php

Aber diese Ereignisse sind so weit entfernt, dass sie für unser Leben irrelevant sind.

Für unser Leben macht es jedoch einen großen Unterschied, ob wir davon ausgehen müssen, dass wir eh im Alter von unter 100 Jahren sterben werden, oder ob wir eine realistische Chance haben, hunderte, tausende oder zehntausende Jahre zu leben.

Ich sage: eine realistische Chance. Es gibt keine Garantie, sicherlich nicht für jeden. Selbst wenn Organversagen im Griff ist, werden da noch neue Krankheiten sein, die ihren Tribut fordern, und Menschen werden noch durch Unfälle und Kriege sterben, oder als Opfer von Verbrechen.

Nichtsdestotrotz, wenn wir im Prinzip nicht nur unsere Existenz und Bequemlichkeit, sondern auch unser unbefristetes Überleben sicherstellen können - dieser Wandel der Produktionsweise wird die tiefgreifendste Auswirkung auf den Überbau der Gesellschaft haben (deren Ideologien, einschliesslich deren Moral und sexuelle Wahrnehmungen).

Die traditionellen Hausierer "ewigen" Lebens, alle Religionen, werden am meisten büßen aufgrund dieser Veränderung. Eine große Zahl der Menschen wird letztendlich von Religionen und anderem übersinnlichen Nonsens zu Wissenschaft und tatsächlicher Lebensverlängerung wechseln.

Meine Ideologie, die auf optimale sexuelle Erfahrung Wert legt, gefolgt von einem sanften Tod, wird auch nicht mehr passen. Stattdessen wird eine dann angebrachte Ideologie sich zuerst auf die Vermeidung des Todes konzentrieren, und alles andere verschieben auf bessere Zeiten (in dieser Welt, nicht im Paradies).

Das negiert nicht die Relevanz optimaler sexueller Erfahrungen. Aber die Leute werden zum Beispiel weniger geneigt sein, Gesetze zu missachten, um sexuelle Befriedigung zu erhalen, da Gefängnisinsassen wahrscheinlich schlechteren Zugang zu medizinischer Technologie haben würden und an Krankheiten sterben könnten, vor denen sich nicht Inhaftierte bewahren könnten.

Solange die Leute denken, dass sie ohnehin innerhalb von ein paar Jahren tot sein werden (wozu sie heutzutage allen Grund haben), macht das in Kauf nehmen sexueller Risiken viel mehr Sinn ("ich sterbe ja eh bald").

In einer Welt, in der Unsterblichkeit eine umsetzbare Option sein wird, werden die Menschen wahrscheinlich mehr Wert aufs reich werden legen, da die beste medizinische Versorgung vermutlich nur für diejenigen verfügbar sein wird, die es bezahlen können.

Die Vermeidung des Todes wird wahrscheinlich ein Puzzle vieler gezielter Eingriffe sein, und nicht eine einmalige Angelegenheit (wie das Trinken aus einem "Jungbrunnen" es wäre). Es wird auch wenig gemeinsam haben mit dem, was derzeit mit Lebensverlängerung assoziiert wird (das Verkaufen von meist verschreibungsfreien Nahrungsergänzungsmitteln durch Quacksalber).

Weil die praktische Unsterblichkeit der Zukunft nicht nur das Verhindern und Heilen von Organfehlfunktionen beinhalten wird, sondern zunehmend auch den Ersatz von Organen durch entweder biologische oder aber künstliche Körperteile, ist es wichtig, ein klares Verständnis für den Menschen selbst zu entwickeln. In anderen Worten: Wer bin ich?

Als eine gedankliche Übung lassen Sie mich beginnen mit dem hypothetischen Ersetzen mehrerer Standard-Organe, nicht einfach durch Transplantation von anderen Menschen, sondern durch technische Geräte.

Nehmen wir zum Beispiel einen mechanischen Fuß, eine chemische Niere, oder ein elektrisches Herz. Wenn jedes dieser Geräte genauso gut funktioniert wie die biologischen Gegenstücke, die sie ersetzen, dann wäre man keine andere Person. Offenkundig bin ich nicht mein Fuß, meine Niere oder mein Herz.

Ich selbst bin nur verbunden mit meinem Hirn, den Erinnerungen, die darin gespeichert sind, den Gedanken, die es generiert, und dem Bewusstsein, das es mir ermöglicht.

Wann hat sich das Ich entwickelt? Einzeller haben kein Ich, auch wenn sie ein Verhalten zeigen, das aufs Überleben ausgerichtet ist. Das Ich ist eine Funktion der Komplexität des Nervensystems, die als neue Qualität entsteht, wenn das Nervensystem eine ausreichende Zahl zugehöriger Prozesse akkumuliert.

Um ein sachgerechtes Verständnis davon zu entwickeln, was wir sind, ist es wichtig, uns selbst nicht ganzheitlich zu sehen. Stattdessen ist Differenzierung angesagt.

Ein Element der Unterscheidung habe ich bereits in vorhergehenden Artikeln vorgestellt: unsere Gene sind nicht unser Werkzeug, um uns fortzupflanzen. Vielmehr benutzen unsere Gene unseren Organismus, einschliesslich unseres Gehirns, um sich selbst fortzupflanzen, nicht uns.

Desweiteren macht Selbsterkenntnis es uns möglich, unsere Interessen von denen unserer Gene zu unterscheiden. Diese Interessen sind nicht identisch.

Die Unterscheidung von uns selbst und unserem Körper ist ein weiterer Schritt zu einer sachgerechten Sicht auf das, was wir sind.

Aber wir können nicht differenzieren bis hin zur Annahme, dass wir die Gedanken und das Bewusstsein sind, das durch unser Gehirn erzeugt wird (und sicherlich nicht bis hin zu einer eingebildeten Seele). Weil unser Gehirn andere Elemente umfasst: unsere Gefühle, unser Verlangen, und ja, unsere sexuelle Befriedigung.

Aus diesem Grund wird ein herunterladen unseres Gehirns auf einem Computer uns nicht erhalten. Tatsächlich brauchen wir zu unserer Zufriedenheit die Darstellung unseres Körpers, einschliesslich aller Empfindungen, an die wir gewöhnt sind: sehen mit unseren Augen, hören mit unseren Ohren, riechen, schmecken, berühren, und so weiter.

Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass wir selbst bestimmte Glückszustände erreichen müssen, die durch bestimmte Verhaltensweisen induziert werden. Daher ist das Erreichen eines Orgasmus durch Geschlechtsverkehr besser, als das Orgasmuszentrum im Gehirn elektrisch zu stimulieren, auch wenn beides zur identischen Freisetzung von Glückshormonen führt.

Das Ersetzen von Organen durch funktionierende Geräte wäre nicht genug. Die Geräte müssten auch in einer Weise mit unserem Gehirn verbunden sein, dass sie dieselben positiven Empfindungen liefern wie die originalen Organe.

Das ist eine gewaltige Aufgabe, und die medizinische Technologie ist weit davon entfernt, so etwas in einem Organismus-weiten Maßstab zu leisten.

Daher, auch wenn wir eines Tages in der Lage sein werden, nicht nur mechanische Geräte in unsere Körper zu verpflanzen, sondern in der umgekehrten Richtung, unsere Körper in Roboter, die aussehen wie Menschen und uns dieselben Empfindungen vermitteln wie unsere Körper, sind wir sicherlich noch Jahrhunderte, ziemlich wahrscheinlich sogar Jahrtausende entfernt von dieser speziellen Lösung.

Nichtsdestotrotz sind die obigen Betrachtungen wichtig, um uns eine Vorstellung davon zu geben, was wir sind, und im Gegensatz dazu, was nicht Teil von uns selbst ist, was - so seltsam es klingen mag - unseren Körper einschließt.

Ich denke, dass viele Leute dem zustimmen, dass es zu einem bestimmten Zeitpunkt der menschlichen Entwicklung grundsätzlich möglich sein wird, praktisch Unsterblichkeit zu erreichen (die Sterblichkeit aufgrund Organversagens für tausende von Jahren hinauszuzögern), aber es wird wenig zu tun haben mit der Quacksalberei heutiger "Lebensverlängerer", da es ein enorm komplexes und kompliziertes Unterfangen sein wird.

Folglich wird die Anpassung meiner Ideologie, welche ich skizziert habe, an die letztendliche Möglichkeit der Vermeidung des Todes aufgrund Organversagens für Generationen tatsächlich nicht nötig sein.

Nach was wir in der Zwischenzeit realistischerweise streben können, ist optimales sexuelles Erleben, so lange wir leben, und danach einen sanften Tod.


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